Verwendung in der Praxis

Das BOUNDLESS wird vor allem in einer aufrechten Sitzposition geflogen und ermöglicht damit in der Luft eine optimale Übersicht. Das BOUNDLESS kann agil, aber auch stark gedämpft geflogen werden. Mittels Brustgurt wird die Agilität des Gurtzeugs eingestellt. Diese Anpassung kann auch problemlos in der Luft vorgenommen werden. Für Lernende, bzw. in turbulenter Luft, wird eine eher gedämpfte Einstellung empfohlen. Allerdings ist das natürlich Geschmackssache und kann ganz den Pilotenvorlieben und/oder den Verhältnissen angepasst werden.

Gleitschirmmodelle anderer Marken

Das Gurtzeug kann mit jedem Gleitschirm geflogen werden. Es bestehen keinerlei Einschränkungen.

Windenschlepp

Das BOUNDLESS eignet sich für den Windenschlepp. Die Schleppklinke darf nur in den Hauptkarabinern des Gurtzeugs fixiert werden. Bestehen bei der Anbringung Zweifel, sollte unbedingt der Windenfahrer oder eine vom Hersteller autorisierte Person konsultiert werden.

Akro

Dank seiner Geometrie und Festigkeit eignet sich das BOUNDLESS problemlos zum Akrobatik-Fliegen. Allerdings verfügt das kompakte Allroundgurtzeug nur über eine einzige Rettungsschirm-Vorrichtung. Zum Akrofliegen empfiehlt ADVANCE grundsätzlich ein Gurtzeug mit zwei Rettungsschirm-Vorrichtungen.

Tandemfliegen

Aufgrund seiner Dimension eignet sich das BOUNDLESS grundsätzlich nicht fürs doppelsitzige Fliegen – weder für den Piloten noch den Passagier.

Anwendung im Schulungsbereich

Das BOUNDLESS eignet sich ideal für Flugschüler. Eine entsprechende Einstellung ermöglicht ein komfortables, aufrechtes Stehen vor dem Start, ein einfaches Hineinrutschen nach dem Abheben und eine angenehme, aufrechte Sitzposition in der Luft. Die bei entsprechender Einstellung gedämpfte Agilität des Gurtzeugs im Flug und die schnelle und intuitive Aufrichte-Möglichkeit zur Landung bieten einen hohen Komfort und viel Sicherheit.

Fliegen mit Beinstrecker

Für das Fliegen mit Beinstrecker empfiehlt ADVANCE nur den für das BOUNDLESS konzipierten und optional erhältlichen Beinstrecker zu verwenden. Nur dieser Beinstrecker wurde im Rahmen der NfL Prüfung hierfür vorgesehen. Der hohe Befestigungspunkt bietet dir ein Maximum an Komfort. Du kannst deine Beine ohne Kraftaufwand abstützen und so stundenlange Flüge geniessen. Dank der Befestigung im Sitzbrettbereich und dank des Elastik‑Gurtbands ist ein Verhängen oder Einfädeln mit dem Rettungsschirm‑System nicht möglich.

AchtungVerwende beim Fliegen mit Beinstrecker ausschliesslich den mit dem Beinstrecker mitgelieferten Fussbeschleuniger.

Beschleuniger-Handling

Das Speedsystem ist beim BOUNDLESS schon vormontiert. Die Carbonspeedbar hängt unterhalb der Vorderkante des Sitzbretts und ist dank eines praktischen Elastik-Rückholers immer leicht erreichbar. Der Rückholer sorgt auch dafür, dass der Beschleuniger einer Rettungsschirm-Auslösung nicht in die Quere kommt.

AchtungVerbinde bei jedem Flug deinen Fussbeschleuniger mit deinem Gleitschirm. Herabhängende Beschleunigerleinen können eine Rettungsschirm-Auslösung behindern.

Ausrüstung packen

1. Ziehe den Rucksack aus dem Protektorfach und lege ihn flach auf den Boden.

2. Lege alle Gurte ins Gurtzeug und klappe das Gurtzeug auf den Rucksack, so dass der Luft-Schaum-Protektor nach oben schaut.


3. Lege den Schirm im COMPRESSBAG auf den Protektor und schliesse den Rucksack.


InfoAuch wenn du den Rucksack vom Gurtzeug losgelöst hast, gehe beim Packen gleich vor wie hier beschrieben.

Verhalten in Notsituationen

Retterabgang

Retter werfen

Achte beim Werfen des Retters auf eine entsprechende Wurftechnik. Korrekt ist eine seitliche Wurfbewegung. Werfe den Retter im Innencontainer seitlich möglichst weit von dir weg, damit sich die Leinen schnell spannen.

HinweisWir empfehlen dir, gelegentlich einen Kontrollgriff zum Auslösegriff zu machen. Dadurch prägt sich seine Position im Unterbewusstsein ein. Wir raten dir ausserdem, die seitliche Wurfbewegung mental durchzuspielen.

Bei starken Rotationen bzw. in einem Spiralsturz können sehr hohe G-Kräfte entstehen, was die Auslösung des Retters massiv erschweren kann.

HinweisBesuche mit deinem Gurtzeug einen G-Force-Trainer und übe so gezielt das Auslösen des Retters unter hoher G-Belastung.

Mit dem Retter landen

Versuche sofort nach der Retter Auslösung falls möglich den Hauptschirm zu kollabieren oder dich von diesem mittels Hook Knife oder Quick Out Karabiner zu trennen um eine Scheren-Stellung zu vermeiden. Durch die Schulteraufhängung solltest du mit deinen Beinen zuerst auf dem Boden auftreffen. Versuche die Energie mit einer Lande-Rolle abzufedern.

Retter-Landung bei starkem Wind

Bei starkem Wind am Boden besteht die Gefahr, dass der an den Schultern aufgehängte Pilot durch den Retter und den Hauptschirm über den Boden geschleift wird. Der Handlungsspielraum ist in einem solchen Fall massiv eingeschränkt.

AchtungZiehe bei sehr starkem Wind am Boden in Betracht, vor dem Aufsetzen die Gleitschirm-Tragegurte oder die Leinen mindestens einer Seite mit dem Hook Knife zu durchtrennen.
AchtungDer Frontgurt lässt sich nicht unter Zug öffnen. Öffne diesen sobald er sich entlastet. Falls dies nicht möglich ist, bediene dich auch hier des Hook Knife und durchtrenne den Gurt.

Wasserlandung

Beim Fliegen über Wasser, sei es beim Überqueren eines Sees im Rahmen eines Streckenflugs oder bei einem Sicherheitstraining (SIV) ist generell Vorsicht geboten. Vor allem bei SIVs kann es passieren, dass der Pilot freiwillig oder unfreiwillig im Wasser landet.

AchtungJede Wasserlandung stellt beim Gleitschirmfliegen eine sehr grosse Gefahr dar und ist um jeden Preis zu verhindern. Insbesondere Landungen in reissenden Gewässern oder in einer Meeresbrandung verlaufen oft tödlich (durch Ertrinken). ADVANCE empfiehlt dir, immer ein Hook Knife mitzuführen.
AchtungTrenne dich bei einer Wasserlandung schnellstmöglich von deinem Gurtzeug und entferne dich von der Ausrüstung, damit du dich nicht in den Leinen des Schirms oder Rettungsschirmes verhedderst.
AchtungWie bei allen anderen Gurtzeugen mit Protektor ist dabei zu beachten, dass der Protektor als Auftriebskörper fungiert und aufschwimmt. Das kann zur Folge haben, dass der Pilot im Wasser automatisch auf den Bauch gedreht und sein Kopf unter Wasser gedrückt wird. Das Tragen einer Schwimmweste ist daher bei einem Sicherheitstraining unerlässlich.

Unfreiwilliger Retter-Abgang ins Wasser

Bei einer unfreiwilligen Wasserlandung ausserhalb eines SIVs ohne Schwimmweste müssen die Gurtzeugschnallen zwingend sofort nach dem Eintauchen ins Wasser geöffnet bzw. durchtrennt werden. Trenne dich schnellstmöglich vom Gurtzeug und der ganzen Ausrüstung.

Wasserlandung mit Schwimmweste

Auch bei einer Wasserlandung mit Schwimmweste im Rahmen eines Sicherheitstrainings wird empfohlen, die Gurtzeugschnallen zu lösen und das BOUNDLESS vor dem Einsteigen ins Boot auszuziehen. Durch das Vollsaugen mit Wasser erhöht sich das Gurtzeuggewicht merklich und erschwert so das Hineinkommen des Piloten ins Boot.

AchtungDer Frontgurt lässt sich nicht unter Zug öffnen.

Wasserlandung ohne Retter

Es gilt alles bisher Beschriebene. Je nach Situation und Gefahr (Strömung, Wellen) kann es sinnvoll sein, bereits vor dem Aufsetzen Gurte mit dem Hook Knife zu durchtrennen, da sich der Frontgurt nicht unter Zug öffnen lässt, oder sogar alle Gurte zu trennen und aus dem Gurtzeug ins Wasser zu springen bzw. zu rutschen.

AchtungFalls sich eine Schnalle nicht öffnen lässt, durchtrenne diese vor dem Landen im Wasser mit dem Hook Knife. Dieses kannst du optional am Schultergurt montieren und ist mit einer langen Leine gesichert.

Wartung und Pflege des Gurtzeugs im Falle einer Wasserlandung

Nach dem Wasserkontakt sollten sämtliche Protektoren und der Komfortschaum aus dem BOUNDLESS ausgebaut werden. Siehe Kapitel «Komponenten ein-/ausbauen». Anschliessend sollte alles an einem schattigen Ort im Freien oder in einem trockenen Raum sorgfältig zum Trocknen ausgelegt – bzw. das Gurtzeug an seinen Karabinern aufgehängt – und ab und zu leicht aufgeschüttelt werden. Der Retter muss abmontiert und separat getrocknet werden. Anschliessend muss er neu gepackt und eingebaut werden.

InfoEin vollständiges Trocknen des Protektors kann mehrere Tage dauern.

Baumlandung

Bei einer Baumlandung mit oder ohne Rettungsschirm besteht die Gefahr eines Absturzes.

AchtungDas Gefährlichste an einer Baumlandung ist das Herunterklettern. Warte damit auf jeden Fall, bis eine Rettungsmannschaft dich aus dem Baum befreit.
InfoWir empfehlen dir, im Gurtzeug eine Bandschlinge mit Karabiner mitzuführen, damit du dich nötigenfalls im Gurtzeug an einem Ast sichern kannst.